Halbstarkenfilme

sind Filme, die erstmals in den 50er Jahren gedreht wurden. Es gibt sogar einen deutschen Streifen, der genau so heißt "Die Halbstarken" aus dem Jahre 1956 mit Horst Buchholz (04.12.1933 - 03.03.2003) und Karin Baal in den Hauptrollen.

In diesem Film wird ziemlich deutlich auf Ursachen jugendlicher Rebellion hingewiesen und man ist sogar um Lösungsansätze bemüht. Doch die jungen Leute bleiben orientierungslos und aufmüpfig. Letztendlich geht im Film alles den Bach runter. Resümee: Die Jugend ist halt unverbesserlich...
Ganz ähnlich verhält es sich auch bei dem deutschen Streifen "Die Frühreifen" aus dem Jahre 1957 mit Peter Kraus und Heidi Brühl. Peter Kraus, der bis dahin als "Sonnyboy" und netter Bursche galt (und er war auf dieses Image auch sehr bedacht), spielt hier einen überraschend unangenehmen Charakter, nämlich: einen hochnäsigen Schnösel ohne Verantwortungs- und Mitgefühl. Die Story endet tragisch.

Ganz allgemein geht es in dieser Halbstarken-Kategorie um Jugendliche (zwischen zwölf und zwanzig Jahren).
Teenager, die rebellieren, aufbegehren, anders sein wollen als die Vorgängergeneration.
Dabei stehen oftmals (aber nicht zwingend) Jugendbanden, manchmal mit kriminellen Gedankengut, im Vordergrund der Handlung. Durchaus beliebt in dieser Sparte: Rivalisierende Gangs.
Jugendliche, die ausbrechen wollen aus einer spießigen Welt voller Vorurteilen und etlichen überzogenen Vorschriften. Meist endet ihre Rebellion - oft begleitet von Rock´n´Roll-Musik - im Desaster. Hier spürt man manchmal den mahnenden Zeigefinger der älteren Generation, die meistens das Drehbuch geschrieben oder Regie geführt hat.
Beim Film "Die Saat der Gewalt" (Blackboard Jungle, 1955) geht es einem durchaus sympathischen Lehrer und seiner Frau an den Kragen. Glenn Ford spielt den Lehrer Richard Dadier, der an einer Oberschule (High School) für Jungs seinen Dienst neu antritt. Seine neuen Schüler sind zumeist aggressive, respektlose Burschen zwischen 15 und 18 Jahren. Einige sind richtig gewalttätig, andere etwas zugänglicher (Sidney Portier als Miller). Dadier bleibt hartnäckig, versucht immer wieder Fuß zu fassen. Vergeblich. Es kommt zum großen Show-Down als der übelste Kerl aus der Klasse versucht, eine attraktive Lehrerin zu vergewaltigen. Dadier kann dies verhindern und den Täter zunächst einschüchtern. Doch dann werden der Lehrer und seine schwangere Frau von den Schülern bedroht und intrigiert. Sie erleidet eine Frühgeburt und Dadier ist außer sich vor Wut und Enttäuschung...

Der Film beginnt und endet mit der Musik von Bill Haley & His Comets: Rock Around The Clock
Glenn Ford verstarb am 30.08.2006
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Es gibt eine deutsche Antwort auf den Film "Die Saat der Gewalt" - und zwar: "Der Pauker" (1958) mit Heinz Rühmann und Peter Kraus.

Oberstudienrat Dr. Hermann Seidel wird aus der Provinz in die Großstadt versetzt. Hier trifft er auf eine Klasse mit aufsässigen Jugendlichen. Seidel ist ein Pauker von altem Schlag. Seine Methoden provozieren die schwierigen Jungen. Es beginnt ein Machtkampf zwischen Lehrer und Klasse. Die Jugendlichen müssen sich ebenso an die für sie neue Situation gewöhnen wie der altmodische Lehrer. Zur Unterstützung seiner pädagogischen Tätigkeit nimmt Seidel bei seinem Nachbarn Freddy Blei Unterricht im Catchen. Langsam kommt er den Teenagern näher. Das Eis schmilzt, als der Lehrer ein altes Auto mit den Jugendlichen repariert. Er entwickelt sich zum beliebtesten Lehrer der Schüler und das Lehrerkollegium ist überrascht vom nie erwarteten Erfolg des Paukers Seidel.
Lexikon des internationalen Films: Heinz Rühmann verleiht der Titelrolle tragikomische Akzente; ansonsten interessiert die Komödie in erster Linie als Einblick in das konservative Klima der 50er Jahre.
Im Vergleich zu Saat der Gewalt ist dieser Streifen bieder und harmlos - da reißt auch der fesche Peter nichts raus.

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Und es gibt auch eine DDR-Antwort auf alle möglichen Halbstarkenfilme (danke, Feuerlöckchen - für den Tipp): "Berlin Ecke Schönhauser"

Ein DEFA-Film von 1957 (Regie: Gerhard Klein). Hauptdarsteller sind eine Gruppe Jugendliche, die ihre Freizeit vor allem unter dem Hochbahnviadukt der Schönhauser Allee verbringt.
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Marlon Brando war in seinen jungen Jahren schon ein ziemlich cooler Typ. Dabei war er gar nicht mal sooo jung, als seine Filmkarriere starte. Und als er im Jahre 1953 die Hauptrolle in "Der Wilde" (The Wild One) übernahm, war Brando bereits 29 Jahre alt und eben kein Teenager mehr.

Dennoch fällt dieser Film auf jeden Fall in diese Halbstarken-Kategorie, denn zwei rivalisierende Motorrad-Banden terrorisieren eine kleine Stadt. Einen authentischer Fall gab es in dieser Zeit tatsächlich. Brando besaß für Underdogs aller Art stets eine große Sympathie. Er wollte die Rolle unbedingt, weil er durch sein differenziertes Spiel die Ursachen (und eben nicht nur die Auswirkungen) für das rebellische Verhalten der Banden aufdecken wollte. Er studierte regelrecht die Sprache/Ausdrucksweise und das ganze Gehabe der damals dort ansäßigen Motorradgangs.
Meiner Meinung nach ist es Brando nicht gelungen, auf mögliche Ursachen für das rüde, heraufordernde Verhalten beider Gangs hinzuweisen. Oder gar auf Ursachen rebellierender Jugendlicher hinzudeuten. Das liegt aber nicht, wie ich finde, an Marlon Brando oder an der Qualität seiner schauspielerischen Leistung, sondern am Drehbuch.
Dennoch ist und bleibt "Der Wilde" ein Film, den man sehen sollte.
Hier zwei Einspieler:
Marlon Brando verstarb am 01. Juli 2004.
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Den berühmtesten Rebellen-Film der 50er Jahre lieferte natürlich James Dean. "Denn sie wissen nicht, was sie tun" (Rebel Without A Cause) erschien im Jahre 1955.

Jim Stark (James Dean) hat Probleme mit seinen Eltern. Die Mutter ist dominant und anstrengend, der Vater ist ein jammerndes Weichei. Jim kann mit beiden nichts anfangen, würde aber gern vor allem zu seinem Vater ein besseres Verhältnis haben. Obendrein kommt Jim in eine neue Schule und dort hat er sofort unliebsamen Kontakt mit einer Gang. Eine Handvoll Rowdys, die auf Stress aus sind. Dazu gehört auch ein Mädchen, die hübsche Judy (Natalie Wood), in die sich Jim rasch verliebt.
Hier orientiert sich das Drehbuch (gegenüber dem Film "Der Wilde") viel deutlicher an möglichen Ursachen für das rebellische Verhalten von Jugendlichen.
James Dean spielte seine Rollen in "Jenseits von Eden" und auch in diesem Film streckenweise sehr pathetisch. Er wollte herausstechen - und das tat er auch. Er war anders als andere, weil er anders sein wollte. Er wollte auffallen unter den Nachwuchs-Schauspielern: Und er fiel auf.
Der Video-Einspieler zeigt eine der typischen Mutproben unter den 50er-Jahre-Jugendlichen. Dean hatte seine Rolle gut im Griff. Er war zurückhaltend, wenn er im Film schüchtern wirken sollte. Beim "Hasenfußrennen" kommt es zu einer Katastrophe...
James Dean starb am 30.09.1955 bei einem Autounfall. Die Reaktionen vieler weiblicher Teenager war hystherisch. Einige von ihnen "folgten" ihrem Idol in den Tod. Nach seinem Ableben keimten Diskussionen über seine sexuelle Orientierung auf. War Dean schwul oder zumindest bisexuell gewesen? Seine Filmpartnerin Natalie Wood starb im Jahre 1981 bei einem schrecklichen Bootsunfall. Mit ihrem Ehemann Robert Wagner (Serie: Hart aber herzlich) hatte sie einen (ihren letzten) Segelturn unternommen.
Jimmy hatte für Rock´n´Roll übrigens nichts übrig , denn er hörte Jazz.
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Nachtrag vom 15.02.2012: Fritz The Cat hat mich auf den Film "Die jungen Wilden" aus dem Jahre 1961 aufmerksam gemacht. Einer Zeit, als die Rock´n´Roll-Ära bereits ihrem Ende entgegen ging.

Um sich vor der Gouverneurswahl zu profilieren, schickt Bezirksstaatsanwalt Cole seinen Assistenten Hank Bell zur Aufklärung eines scheinbar klaren Mordfalls in ein Minderheitenviertel von New York: Dort sollen drei Mitglieder einer Italogang einen blinden puertoricanischen Jungen kaltblütig getötet haben. Schnell stellt Bell fest, dass die Lage keineswegs so deutlich ist, wie gedacht. Er muss eine Gewissensentscheidung treffen, die auch für seine Zukunft wegweisend ist.

Als Regisseur John Frankenheimer zu Beginn der 60er Jahre „Die jungen Wilden“ drehte, wollte er vor allem zeigen, dass er als Live-Television-Director auch einen Spielfilm drehen konnte. Und zwar, wie auch die anderen Live-Television-Regisseure, die damals in Hollywood ihre zweite Karriere begannen (unter anderem Arthur Penn, Sidney Lumet, Norman Jewison und George Roy Hill), mit einem Film, der auch etwas zu sagen hatte. Also kein Musical, keine launige Komödie, sondern ein Drama, das etwas über die Gesellschaft aussagt und dies mit einer liberalen Position verknüpft. Da bot sich ein Film über die Jugendkriminalität und die Bandenkriminalität an.

Frankenheimer drehte den Film hauptsächlich vor Ort. Wegen der hohen Kosten für zwei Crews war ein gesamter Dreh in New York nicht möglich, aber die Innenausstattung wurde detailgetreu in Hollywood nachgebaut und so fühlt sich der Film von der ersten bis zur letzten Minute authentisch, in vielen Momenten fast schon wie ein Dokumentarfilm an.

Der Mord bietet Frankenheimer die Gelegenheit, sich mit den damals entstehenden Straßengangs, die sich an den unterschiedlichen Ethnien orientierten, dem alltäglichem Rassismus, der Politik, der zwiespältigen Rolle der Presse und den sozialen und psychologischen Hintergründen der Tat und was sie für die von ihr Betroffenen bedeutet, zu beschäftigen und so auch ein Sittenbild der damaligen Gesellschaft zu zeigen. Dabei gibt es etliche Szenen, die für das damalige Publikum sicher verstörend waren: die drastisch gezeigte Gewalt, die Herrschaft der Straßengangs über das Viertel, die Rede der Mutter gegenüber Cole und Bell während der Beerdigung und das Geständnis eines Mädchens vor Gericht,, dass sie als Prostituierte das Geld für die Familie verdient. Filmisch gibt es auch immer wieder beeindruckende Szenen: wenn Frankenheimer in den ersten Filmminuten die drei Jugendlichen zu ihrer Tat verfolgt, die Tat teilweise in einer Sonnenbrille gezeigt wird (was auch eine Hommage an Alfred Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ ist), die immer wieder in extremer Untersicht aufgenommenen Schauspieler und natürlich deren überzeugendes Spiel. Nicht nur bei den Profis, sondern auch bei den jungen Schauspielern und den Laien. Das alles zeigt, dass John Frankenheimer bei seinem zweiten Spielfilm genau wusste, was er tat.

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Die Story von "Die jungen Wilden" erinnert ein wenig an die "West Side Story" aus dem Jahre 1957; einem Musical.
Es geht um rivalisierende Jugendbanden im New York der 50er Jahre. Die beiden Truppen unterscheiden sich in ihrer ethnischen Herkunft. Die "Jets" sind ganz typische amerikanische (weiße) Jungs und die "Sharks" sind puertoricanische Einwanderer.

Insgesamt aber ein schönes Musical, denn Hits wie "America", "Cool" und "Maria" sowie aufwändige Tanzszenen sind charmant in die Story eingebunden worden.
Entsprechende YouTube-Einspieler können hier leider nicht installiert werden (Rechte zum Einbetten sind unterbunden worden).
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Und nun wird es für mich persönlich besonderns interessant, denn wir kommen nun zu meinen ersten drei Lieblings - Halbstarken-Filmen.
Den ersten von ihnen - "American Graffiti" (1973) - sah ich erstmals Ende der 70er Jahre im Fernsehen. Damals war ich 13 Jahre alt.
Filme können einen sehr beeindrucken. Dieser Streifen beeindruckte mich total, was vermutlich an meinem eigenen Eintritt ins geheimnisvolle Teenager-Alter lag.
Die im Film dargestellte Verwirrung der jungen Leute war rätselhaft und interessant zugleich. Gern wäre ich damals auch in die Wirrnisse der ersten Liebe verstrickt gewesen. Und gern hätte ich meinen Plattenschrank mit den tollen im Film vorkommenden Songs der frühen Sechziger Jahre angefüllt. Mit Verinnerlichung dieses Werkes leichter Unterhaltung wagte ich meine ersten (deutlich wahrnehmbaren) Fußstapfen in die Pubertät und ins Teddy-Girl-Dasein.

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Der zweite, ebenfalls mich sehr beeindruckende, Streifen dieser Rubrik heißt "Grease" (1978) und gehört für mich allerdings eher in eine Unterkategorie der Halbstarken-Filme.
Ich sah mir den Film Ende des Jahres 1979 mit einer Freundin im Kino an. Eher notgedrungen, weil ich dieser Freundin eine Freude machen wollte. Eigentlich hatte ich "dieses doofe banale Filmchen" gar nicht sehen wollen. Zuviel Wirbel war darum gemacht worden - sogar eine blöde BRAVO-Fotostory gab es und ein Album mit Abziehbildchen zum Einkleben. So ein Film kann einfach nur bescheuert sein, dachte ich und ließ mich nur widerwillig mitziehen.
Tja.. Und dann fegte das fröhlich-fetzige Grease-Feuer über mich hinweg. Wie in einem Sog verfing ich mich im Grease-Strudel, sprang im Kino sogar auf, klatschte im Takt der Songs mit und trällerte mit den anderen Besuchern lächerlich-banale Melodien, wie: Rama Lama Dingididingi Bop" oder so ähnlich ;-))
Wieso dieser Film eher in eine Unterkategorie gehört?! Na weil hier noch bewusster als in "American Graffiti" die ernsthafte Seite der Teenie-Rebellion verlassen wurde. Ganz bewusst wurde in Grease eher auf eine Parodie der Halbstarken-Filme gesetzt. Parodie und Hommage zugleich. Genau das macht den Erfolg dieses unterhaltsamen und sehr musikalischen Movies aus.
Göttlich - Es lebe die "Schmiere(n)"Komödie! Ansehen, Ansehen, Ansehen!!!
Olivia Newton-John & John Travolta

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Ich sah diesen Film erstmals im Jahr 1980 im Kino und war zunächst paralysiert.
Der Streifen ist schwer einzuordnen. Komplett ernst zu nehmen ist er inhaltlich nicht unbedingt - andererseits ist es keine so deutliche Parodie wie Grease.
"The Wanderers" vermischt gekonnt Ernstes mit Slapstick und verbindet Lebenslust mit unheimlichen Szenen (z.B. die verlotterte Bronx und auch die fiesen Ducky Boys).
Wie in allen anderen Halbstarken-Filmen auch, stehen Eltern und Lehrern auf verlorenem Posten, denn die jungen Leute lassen sich lieber vom überall gegenwärtigen Rock´n´Roll den Weg weisen. Botschaft: Die Zeit der Unschuld ist vorbei. Gemeint ist nicht (nur) die sexuelle Unschuld, sondern auch der Verlust der unbeschwerten Kindheit.
Für mich ein Meilenstein der Halbstarken-Filme und eigentlich ein Lieblingsstück dieser Sparte.

Die Anfangsszenen werden dominiert von den "Glatzköpfen" (nicht zu verwechseln mit den deutschen Skinheads, denn eine politische Ausrichtung dieser Bande wird im Film nicht thematisiert. Es ist einfach nur eine Gang, deren Markenzeichen ein kahler Kopf ist). Die Glatzköpfe stellen eine Art kumpelhafte Widersacher der Wanderers dar. Die Feindschaft zu den brutalen Ducky Boys haben beide Gangs am Hals (siehe letzter Einspieler) und dann gilt es zusammenzuhalten.
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"The Outsiders" wurde im Jahr 1983 gedreht und zeigt die Ausweg- und Perspektivlosigkeit von der Elterngeneration unbeachteter Jugendlicher auf. Hauptrollen in diesem traurigem Drama haben C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Rob Lowe, Patrick Swayze, Emilio Estevez, Tom Cruise und Diane Lane. Eine ansehnliche Besetzungsliste, zumal immerhin Francis Ford Coppola die Regie führte.

Nicht der schlechteste Film - aber auch nicht der beste. Letztendlich auch viel zu rührselig und traurig. Das halten meine schwachen Nerven nicht aus.
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Der letzte von mir hier ausgiebig erwähnte Film ist, neben "The Wanderers", auch ein Lieblingsstück dieser Rubrik: "Cry Baby" aus dem Jahre 1990 ist eine saftige, dicke, fette Persiflage auf alle Halbstarken-Filme und somit unglaublich überzogen in seiner Darstellung und in seinen Figuren.
Hauptdarsteller und Titelheld "Cry Baby Walker" dargestellt von Johnny Depp, der damals immerhin schon 27 Jahre alt war, jedoch locker zehn Jahre jünger wirkt, ist genau die richtige Besetzung.

Auch alle anderen Darsteller sind einfach grandios. Amy Locane als die hübsche - bis dahin wohlerzogene - Tochter (Allison) aus reichem Hause, die natürlich irgendwann ausbrechen will und wird. Traci Lords als - wen wundert´s - zickige Schlampe und Polly Bergen als toughe Großmutter: Mrs Vernon-Williams.
Punk-Größe Iggy Pop gibt sich ein köstliches Stelldichein als Onkel Belvedere und die rüde Susan Tyrrell dreht ordentlich auf in ihrer Rolle als Ramona Rickettes. Aber auf gar keinen Fall möchte ich hier die wunderbare Kim McGuire unerwähnt lassen - denn ohne sie als "Killerface" wäre dieser Film nur halb so amüsant.
Die Handlung ist natürlich typisiert und betont klischeehaft:
Die "Squares" sind eine Horde von spießigen und ziemlich verschlagenen Jungs aus "gutem Hause". Die hübsche Allison ist mit ihrem Anführer liiert, verliebt sich sofort heftig in Cry Baby Walker - kaum, dass sie ihn gesehen hat. Dem Burschen geht´s umgekehrt genauso. Verknallt bis über beide Ohren. Aber Cry Baby Walker kommt nicht aus "gutem Hause". Seine Eltern leben nicht mehr und er wuchs bei Onkel Belvedere und Oma Ramona Rickettes auf. Ein ziemlich durchgeknallt punkiges Pärchen, das eher improvisiert irgendwo abseits der schnuckeligen Kleinstadt wohnt. Cry Baby gehört also den "Drapes" an, ist somit eine Art rockender Punk mit Lederjacke, Schmalztolle und Rockabilly-Umkrempeljeans. Er knattert trotzig mit seinem schicken (von seiner Verwandtschaft neu geklauten) Motorrad durch die Gegend und möchte um jeden Preis die süße Allison erobern.
Das gelingt ihm zwar, doch gibt es nun kräftig Ärger zwischen Drapes und Squares. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf...
Genau wie Grease gibt es auch in diesem Film sehr viel - extra für diesen Streifen komponierte - Songs im 50er Jahre-Stil, aber auch oft Untermalung durch bekannte Titel dieser Ära.
Johnny Depp singt nicht selbst, obwohl man das glauben könnte. Depp agiert beim angeblichen Singen so geschickt, dass ich ein paar Jahre lang tatsächlich davon ausging, er hätte die Lieder höchstpersönlich eingesungen. Auch die Stimme an sich passt unheimlich gut. Erst als ich mir vor fünf Jahren die DVD kaufte, fiel mir auf, dass James Intveld alle Gesangseinlagen von "Cry Baby Walker" übernommen hatte. Auch Amy Locane singt nicht selbst (Rachel Sweet hat das für sie erledigt).

Ebenfalls zu empfehlen ist der Film "Hairspray" aus dem jahre 1988 vom gleichen Regisseur (John Waters). Hier geht´s nicht in erster Linie um den gesellschaftlichen Status (wie in Cry Baby), sondern eher um die Probleme verschiedener Rassen in den USA (zu Beginn der Sechziger Jahre). Obwohl es sich auch um eine Parodie handelt, fließt bei Hairspray mehr Ernsthaftigkeit in die Umsetzung der Handlung.

Auch das gleichnamige Remake (2007) mit John Travolta in einer der Hauptrollen ist durchaus gelungen.

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Oh... und natürlich darf ich zum krönenden Abschluss nicht die "Eis am Stiel"- Filme vergessen. Die gesamten 80er Jahre hindurch habe ich Folge für Folge im Kino gesehen.
Na klar ist das der allergrößte Blödsinn... So blöd, dass es schon wieder gut ist.

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Nach (von mir vermuteter) Fertigstellung dieser Rubrik sprach man mich mehr als einmal auf den britischen Film "Quadrophenia" aus dem Jahre 1979 an und weshalb ich ihn bislang hier nicht aufgeführt hatte.
Die Mods sind keine Rock´n´Roller hatte ich zu meiner Verteidigung hervorgebracht und musste einsehen, dass die Gegenargumentation Recht hat, denn: Im Film geht es um rivalisierende Jugendbanden, die beide einer Subkultur anhängen. Und eine dieser Gangs besteht sehr wohl aus Rock´n´Rollern.
Zum einen sind da die Mods, die sich im schicken Stil der frühen Sechziger Jahre kleiden, Beatmusic sowie Pop mögen und mit aufgestylten Motorrollern (meist: Vespa) durch die Gegend knattern. Auf der anderen Seite stehen die typischen Rocker in Lederkluft und mit "richtigen" Motorrädern. Die Rocker vertreten den Rock´n´Roll - auch wenn sie (wie im Film dargestellt) manchmal schon stark dem von mir nicht so sehr geliebten Woodstock-Stil entgegensteuern.
Vielleicht sollte ich noch anfügen, dass der Filmtitel nach dem Namen eines Albums der 60er-Jahre-Rockband "The Who" benannt wurde... Außerdem schleicht "Police"-Sänger "Sting" in einer Nebenrolle durch die Szenerie.
Kurz zur Handlung: Jimmy (Phil Daniels) ist Mitglied der Mods und bewundert sehr den Anführer seiner Clique - sein Idol. So möchte er auch sein. Aber nach diversen Enttäuschungen (unter anderem auch mit einem Mädchen) erkennt Jimmy, dass das angebliche Rebellentum des Gang-Leaders nur vorgetäuscht ist und der Bursche überhaupt kein Rückrad hat.
"Ein bemerkenswertes Generationsportrait ohne falschen nostalgischen Glamour", so lautet die offizielle Filmkritik.
Ich glaube, das ist genau der Punkt, weshalb ich diesen Film irgendwie "vergessen" hatte. Für nostalgischen Glamour habe ich nämlich ziemlich viel übrig - sei er manchmal auch eher augenzwinkernd oder sogar überzogen dargestellt.
Trotzdem sollte man sich diesen Film ansehen, denn die Botschaft, dass hinter (aufgeblasener) Coolness manchmal nur Gehabe und nichts Massives dahinter steckt, ist ein Klassiker und verliert nie an Aktualität. Außerdem sind die wüsten Straßenschlachten im Film eine Wucht. Da bleibt einem mitunter die Spucke weg.
Und außerdem ist das der einzige (zumindest mir bekannte) Film, der sich mit den Mods beschäftigt - einer Subkultur, von der viele Leute kaum etwas (oder gar nichts) wissen .
Dieser Streifen wird niemals tagsüber und auch nicht zur Feierabendzeit, sondern nur nachts gezeigt und ist sanft durchzogen mit einigen Sequenzen in Originalsprache (in Englisch; ohne Übersetzung und ohne Untertitel).
